Denkmal der Bulgarisch-Sowjetischen Freundschaft: Warnas stiller Riese
Warnas Relikt aus der Zeit des Eisernen Vorhangs
Hoch über der Stadt, wo die Meeresbrise auf die bewaldeten Hügel trifft, steht ein kolossales Stück Geschichte: das Denkmal der Bulgarisch-Sowjetischen Freundschaft. Massiv, grau und von fast überall in Warna aus sichtbar, thront es auf dem „Hügel der Freundschaft“ (Halm na Prijatelstvoto) wie ein steinerner Wächter, der über das Schwarze Meer blickt.
Einst erbaut, um die Verbundenheit zwischen Bulgarien und der UdSSR zu feiern, bleibt es eines der ikonischsten – und umstrittensten – Wahrzeichen im modernen Stadtbild von Warna.
Ein Ungetüm aus Beton und Granit
Der Bau begann 1974 und dauerte vier Jahre. Dies war nicht nur eine einfache Statue; es war ein massives politisches Statement. Mit einer Höhe von über 23 Metern und einer Breite von fast 50 Metern zeigt das Denkmal zwei Gruppen gigantischer Figuren – sowjetische Soldaten und bulgarische Partisanen –, die in Stein erstarrt sind.
Um den Gipfel zu erreichen, muss man die „Treppe der Freundschaft“ bezwingen – 301 Stufen, die sich definitiv wie ein Workout anfühlen, einen aber mit einer unglaublichen Atmosphäre belohnen. Früher beherbergte das Innere ein Museum, und nachts wurde das gesamte Bauwerk von riesigen Scheinwerfern angestrahlt, sodass es wie eine Festung über der Stadt leuchtete.
Vom Ruhm zu geisterhafter Stille
Nach 1989 änderte sich die Welt und damit auch die Bedeutung des Denkmals. Das Museum wurde geschlossen, die Lichter gingen aus und die „Ewige Flamme“ erlosch. Jahrelang verfiel es – bedeckt mit Graffiti und langsam von der Natur zurückerobert.
Heutzutage ist das Denkmal komplett baufällig. Das Innere ist für die Öffentlichkeit gesperrt, und die Eingänge zum Keller sowie zu den unterirdischen Ebenen wurden versiegelt. Selbst die berühmte Treppe hat schon bessere Tage gesehen; viele Stufen sind gesprungen oder bröckeln. Doch trotz der Vernachlässigung bleibt der Riese standhaft. Heute ist er weniger ein politisches Symbol, sondern vielmehr ein Anziehungspunkt für Urban Explorer, Fotografen und Einheimische, die einen ruhigen Ort mit Aussicht suchen.
Warnas beliebtester Outdoor-Fitnessplatz
Interessanterweise hat der Verfall das Denkmal nicht unbrauchbar gemacht. Es hat sich zu einem Hotspot für lokale Sportler und Fitness-Fans entwickelt. Jeden Morgen und Abend sieht man Dutzende Menschen, die die 301 Stufen für ihr wöchentliches Training nutzen – sie rennen die Treppen hoch, machen Ausfallschritte oder dehnen sich oben auf dem Plateau. Es ist wohl der spektakulärste „Stairmaster“ in ganz Warna.
Lokale Mythen und urbane Legenden
Man kann kein massives, hohles Betonbauwerk haben, ohne dass sich Geschichten darum ranken. Hier sind die Legenden, die man sich in Warna gerne erzählt:
- Die geheimen Tunnel: Die Legende besagt, dass der Hügel mit Bunkern aus dem Kalten Krieg und Tunneln durchzogen ist, die direkt zum Marinestützpunkt oder sogar unter das Meer führen. Obwohl dies nie offiziell bestätigt wurde, halten die schweren Eisentüren am Fuße des Denkmals das Geheimnis lebendig.
- Der singende Wind: An sehr windigen Tagen erzeugt die Luft, die durch die Lüftungsschächte und Risse des Denkmals pfeift, ein tiefes, unheimliches Summen. Die Einheimischen nennen es den „Gesang des Riesen“, als ob der Stein versuchen würde, seine Seite der Geschichte zu erzählen.
- Der Wunsch auf dem Gipfel: Ein beliebter lokaler Aberglaube besagt: Wenn man alle 301 Stufen erklimmt, ohne für eine Atempause anzuhalten, und zu Füßen der Soldaten einen Wunsch flüstert, werden die „steinernen Riesen“ ihn wahr werden lassen.
Warum sich der Aufstieg lohnt
Heute geht es beim Denkmal vor allem um den „Vibe“. Es ist eine Mischung aus packender Geschichte und wunderschöner Szenerie. Sobald man oben angekommen ist, tritt die Politik in den Hintergrund und man genießt einen atemberaubenden Panoramablick über Warna und das Schwarze Meer. Es ist ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen – ein stummer Zeuge des Jahrhunderts, das die Stadt geprägt hat.
Anreise
- Mit dem Bus: Nehmen Sie die Linie 409 (die auch vom Flughafen und von Goldstrand kommt). Steigen Sie an der Haltestelle „Stadion Varna“ oder „Parkmart“ aus. Von dort aus sehen Sie die gewaltige Treppe auf der gegenüberliegenden Straßenseite.
- Zu Fuß: Wenn Sie sich am nördlichen Ende des Meeresgartens (Sea Garden) befinden, ist es ein schöner (aber bergauf führender) Spaziergang. Folgen Sie dem Hauptboulevard (Knyaz Boris I) stadtauswärts, bis der Hügel auf der linken Seite erscheint.
- Mit dem Auto/Taxi: Sagen Sie dem Taxifahrer einfach „Pametnika“ (das Denkmal). Es gibt einen kleinen Parkplatz am Fuße der Treppe oder eine Straße, die fast bis ganz nach oben führt, falls Sie das 301-Stufen-Training überspringen möchten.
Während unserer VIP Tour kommen wir ebenfalls an diesem Denkmal vorbei. Unvergessliche Momente: Finden Sie hier Ihren nächsten Lieblingsausflug.




